Inhalt: Wir schreiben das Ende des 19. Jahrhunderts. Im Norden der USA spielen sich Grausamkeiten ab. Hungersnöte und Armut brachten die Bauern dazu, kriminell zu werden. Nach alter Manier wurden Kopfeglder durch die Regierung erhoben und bald ist die Gegend ein Reich blutrünstiger Kopfegldjäger. Zwar steht "Tot oder lebendig", jedoch sind die Vorschrifften für Lebendtransporte so hinderlich, dass man diesen Fakt ignoriert. Doch die Konkurenz naht: Der stumme Menschenjäger Silence (Jean-Louis Trintigant) hat eine Marktlücke entdeckt und ist darauf spezialisiert, in provozierten Notwehrakten Kopfgeldjäger zu töten. Die Witwen sind begeistert und zahlen ihm gute Honorare. Er nimmt schließlich den Auftrag entgegen, Loco (Klaus Kinski) zu töten, in dem er einen ebenbürtigen gegner findet...
Meinung: Was ist der erste Gedanke, wenn man den Film sieht? Gute Frage, denn das kann man pauschal nicht sagen. Man sieht eine Schneefläche und einen Mann durch diese reiten. Eine leise Musikuntermalung durch Meister Morricone und dann eine kleine Schießerei aufkommen. Es ist einer dieser Filme, die von Anfang an einfach gut sind!
Das Ende der Szene ist jedoch der schlechteste Teil des gesamten Films. Der Dialog, der von der Heldenhaftigkeit Silence erzählen soll, wirket einfach zu, hm, welches Wort passt? Man kann sagen, dass er zu dick aufträgt und zu auffällig ist. Silence wird als der große Held dargestellt und die Bauern als die armen Opfer. Obwohl Silence und die Bauern das wissen, muss der Oberbauer das alles noch erklären...
Sonst ist dieser Film überflutet mit Symbolen und Zitaten. Kein Film kann da mithalten. Er punktet mit vielen schönen Aufnahmen der italienischen verschneiten Bergwelt und weiß damit zu überzeugen. Kinski kann aus seiner Rolle das gesamte Potentiall herausholen und glänzt dadurch. Jedoch sind ihm die anderen Akteure ebenbürtig. Jean-Louis Trintigant hat eine komplett stille Rolle, spielt diese aber mit einer Ästhetig, die man heute nicht mehr erwarten kann. Die Schussszenen wirken jedoch auch für Western der damaligen Zeit icht sonderlich gut. Gleichzeitig kann Corbucci mit seinem unglaublichen Arsenal an Kleinigkeiten punkten.
Nach einer Saloonschlägerei, bei der sich Kinski an der Lippe verletzt, hat er im restlichen Film auch eine Narbe an genau dieser Stelle. Zwar symbolisieren die Kopfgeldjäger und der Bankier/Kaufmann (der wie die Judendarstellung der Nazis wirkt) doch ist Silence kein wirklicher Sympathieträger. Er arbeitet genau wie seine Opfer für Kopfgeld, bewegt sich aber auch im moralischen Rahmen. Einzig der preußische Sheriff wirkt sympathisch. Er steht auf Seiten der Verfolgten, bleibt jedoch ein Diener des Rechtsstaates und verhaftet schließlich Loco. Das wirklich wichtige dieses Films ist jedoch seine Botschaft: Wann ist Töten legitim? Darf Töten legitim sein? Dieser Film ist zu komplex, um ihn in einer Meinungsbeurteilung komplett zu beurteilen. Aus diesem Grund und der allgemein hohen Qualität des Films vergebe ich die Höchstpunktzahl und verspreche, mich noch einmal diesem Film zu widmen!



